Finanzkrise 2008

Das System in Schwierigkeiten: Die Finanzkrise

„Eine Staatsaufsicht, die jede Sparkassen-Filiale kurz und klein durchsucht, aber bei einem Dax-Unternehmen in einen Dornröschschlaf fällt, die hat versagt.“, kommentiert Guido Westerwelle am 7. Oktober im Bundestag die Arbeit der Aufsichtsbehörden Bundesbank und BaFin.

Die Krise auf den Finanzmärkten ist so schlimm wie seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr. Die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems wird zurzeit massiv in Frage gestellt und mit ihr die Stabilität der Weltwirtschaft. Natürlich verunsichert die Finanzkrise auch die Bürger in Deutschland. Fragen, wie sicher unser Geld jetzt noch ist und wie lange die Wirtschaft im Nachhinein gebeutelt sein wird, stellt sich momentan jeder. Wir fassen für Sie die Antworten im Folgenden zusammen:

Wie sicher ist mein Geld?

Die Banken in Deutschland haben eigene Rettungssysteme, die so genannte Einlagensicherung. Sie sorgt im Fall der Insolvenz eines Instituts dafür, dass die Bankkunden entsprechend entschädigt werden. Klingt gut, doch der entscheidende Wehrmutstropfen dabei ist die Höhe der Entschädigung: laut Anlageentschädigungsgesetz vor der Krise nämlich nur 90 Prozent der Einlagen, maximal 20.000 Euro. Die EU-Finanzminister haben allerdings rechtzeitig Anfang Oktober 2008 reagiert und ein Maßnahmenpaket geschnürt, mit denen sie die Folgen der Finanzkrise bewältigen sowie Sparer und Unternehmen schützen wollen. Dazu gehört auch die Anhebung der Einlagensicherung Deutscher Banken zunächst auf 50.000 Euro. Zusätzlich garantiert die Bundesregierung den Sparern eine weitere finanzielle Stützung für die Einlagen in Höhe von 1.300 Milliarden Euro. Angela Merkel versucht ersichtlich, uns Bundesbürger zu beruhigen und verspricht in einer Pressekonferenz vom 6. Oktober: „Die Bundesregierung sagt am heutigen Tag, dass wir nicht zulassen werden, dass die Schieflage eines Finanzinstituts zu einer Schieflage des gesamten Systems wird.“

Die Einlagensicherung betrifft folgende Bankprodukte:

  • Girokonto, Tages- und Termingeldkonto, Sparbuch und -brief, da sie nicht zu der Konkursmasse der Bank gezählt werden
  • Geldmarktfonds, solange der Fonds in Euro, der Eurozone und ohne hochspekulative Zinspapiere angelegt wurde

Ebenfalls sicher sind Bundeswertpapiere, da sie vom Staat ausgegeben werden. Bei Aktien und Investmentfonds kann der Sparer auch beruhigt schlafen. Diese Anlagen gelten als Sondervermögen der Bankkunden und nicht in der Konkursmasse einer Bank enthalten.

Experten aus der Volkswirtschaft, wie Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe, sorgen sich vor allem um die Altersabsicherung. Die Finanzkrise wird zukünftig die Vermögenseffekte die Pensionskassen schrumpfen lassen. Das bedeutet, dass Vorsorgesparen in Zukunft einen noch höheren Stellenwert erhalten wird, um die Verluste möglichst wieder auszugleichen. Doch gilt es, erst einmal die Ruhe zu bewahren und abzuwarten.

Wirtschaftliche Einbußen

Trotz Einlagensicherung bleibt der bittere Nachgeschmack bestehen, dass es hier nicht alleine nur um das Ersparte auf dem Konto geht. Die aktuelle Finanzkrise wirkt sich gleichzeitig auf das zukünftige Weltwirtschaftswachstum aus. Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn und seine Ökonomen prognostizieren für 2009 erhebliche Wachstumseinbußen in allen Ländern. Auch die Konjunktur in Deutschland strauchelt. Noch in diesem Jahr kann das Wachstum auf schlimmstenfalls nur einem Prozent fallen, befürchten Wirtschaftsexperten. Im kommenden Jahr werden die Auswirkungen der Finanzkrise erheblicher sein und die Bundesrepublik erstmal auf Strategien zu Schadensbegrenzung greifen müssen. Wie das ganze dann aussehen wird, weiß wohl noch keiner, denn alles, was zurzeit passiert, ist in Form und Ausmaß sehr komplex.

Die Realwirtschaft wird ebenfalls nicht verschont. Viele Wirtschaftszweige werden durch die Finanzkrise in Zukunft erheblich Federn lassen müssen, wie beispielsweise die bereits geschwächte Automobilbranche. Dort wird schon seit längerem die Produktion zurück gefahren. Der Anstieg der Spritpreise und die Aussicht, dass Rohöl eines Tages knapp wird, ist auch für Deutschlands Vorzeigebranche zur unangenehmen Last geworden. Viel wurde bislang investiert, um Motoren zu bauen, die weniger Sprit verbrauchen, anstatt langfristig zu denken und an Alternativen zu arbeiten. Zusätzlich schwächt jetzt die Finanzkrise den Automobilmarkt erheblich. Die finanziellen Mittel, um in die Öko-Autoproduktion zu investieren, werden zukünftig allen Konzernen, auch solche wie Daimler und BMW, fehlen. Denn erstens werden weniger Autos gekauft oder über Kredite verkauft. Die Bürger halten ihr Geld fest, verschieben lieber den Autokauf nach hinten und sind auch nicht bereit dazu, jetzt ein Darlehen aufzunehmen, um die neuen Karosserie vor der Haustüre zu sehen.

Und zweites wird das Fremdkapital teurer werden. Viele Banken halten genauso wie die Privatpersonen derzeit lieber ihre Bargeld fest, sofern noch vorhanden. Da gleichzeitig das Risiko besteht, das Banken in den kommenden Monaten die Kreditvergabe selbst an Großkonzerne zurück fahren oder wenn doch, die Zinsen deutlich anheben, müssen alle Firmen rechnen, inwieweit sie sich neue Investitionen leisten können. Und wenn dann beispielsweise ein großer Automobilkonzern wie Mercedes die Produktion länger auf Sparflamme halten muss, so werden angeschlossene Zulieferer ebenfalls in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Fazit:

Im Moment scheint es nicht mehr so wichtig zu sein herauszufinden, wer vor einem Jahr zuerst da war, die Konjunkturflaute oder die Finanzkrise, um dann den Schuldigen bestrafen zu können. Denn, wir alle leben in einem komplexen System, indem sich Finanzen, Arbeit und Wirtschaft gegenseitig bedingen. Gerät an einer Stelle ein Element in die Schieflage, so werden die anderen Systembausteine mit in Leidenschaft gezogen. Die verantwortlichen Marktakteure, wie Banken, Wirtschaftsunternehmen, Politik und Großinvestoren haben dem System sicherlich schwer geschadet. Aber aussichtslos ist die Lage nicht. Wichtig ist jetzt, dass die Verantwortlichen fortan peinlich genau darauf achten, dass die Menschen nicht auch noch das letzte Vertrauen in die freien Kräfte des Marktes verlieren. Denn das würde langfristig unser aller Wohlstand bedrohen.

Stand: Oktober 2008, alle Angaben ohne Gewähr!