ARBEITSRECHTSSCHUTZ

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Rambos in Nadelstreifen

Wenn der Aufschwung nicht kommt, macht mancher Chef wenigstens rhetorisch die Bremsen los. Im schlimmsten Fall folgt der Verbalattacke auch der Vollzug des Angedrohten. Wer dagegenhalten möchte, sollte sich vorher besser absichern – mit einer Arbeits-Rechtsschutzversicherung.

Ein Satz wie in Stein gemeißelt: „Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen.“ Doch längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich, Kürzungen beim Weihnachtsgeld und unbezahlte Überstunden sind für viele Arbeitnehmer längst Alltag. Kein Wunder also, dass immer mehr Chefs ihre Angestellten vor Gericht wiedersehen. Bereits eine halbe Million Prozesse werden alljährlich vor den Arbeitsgerichten Deutschlands ausgefochten.

Kein Rückzug

Recht haben und Recht bekommen, sind jedoch auch beim Streit mit dem Boss zwei verschiedene Sachen. Da wäre es schade, wenn Sie aus Angst vor hohen Anwalts- und Gerichtskosten zähneknirschend klein beigeben und beispielsweise auf Ihr ausstehendes Gehalt verzichten. Hier hilft eine Arbeits-Rechtsschutzversicherung. Mit ihr in der Tasche begegnen Sie Ihrem Chef auf gleicher Augenhöhe. Kommt es zu einem Gerichtsverfahren, sichert Sie die Arbeits-Rechtsschutzversicherung gegen hohe Anwalts- und Gerichtskosten ab.

Wir versuchen es demnächst mal ohne Sie

Stress mit dem Chef gibt es hauptsächlich wegen Kündigungen, Abmahnungen, Urlaubsanspruch und ausbleibenden Gehaltszahlungen. Aber auch gegen eine Versetzung oder unbefriedigende Arbeitszeugnisse kann man sich wehren. Ein Rechtsstreit kostet allerdings nicht nur Nerven, sondern auch Geld – zumindest wenn man nicht versichert ist. Bei einer Niederlage vor Gericht kommen zum Karriereknick oft auch noch hohe Kosten hinzu. Selbst bei einem erfolgreichen Prozess wird man zur Kasse gebeten. Denn Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht haben die Besonderheit, dass der Gewinner des Prozesses seine Anwaltskosten in der ersten Instanz selber tragen muss.

Erst in den nächsten Instanzen kommt der Unterlegene für sämtliche Kosten auf. Kurios: Diese Regelung wurde ursprünglich geschaffen, um finanzschwache Arbeitnehmer zu schützen – sie sollten nicht bei einer Niederlage die horrenden Anwaltsgehälter ihrer Arbeitgeber übernehmen müssen. Es war offenbar nicht eingeplant, dass auch der Kläger einen Anwalt benötigen könnte. Heutzutage sind die tariflichen und einzelvertraglichen Bestimmungen im Arbeitsrecht aber so kompliziert, dass eine Beratung durch einen erfahrenen Anwalt oft sinnvoll ist.

Da kommt was zusammen

Gerade bei einem hohen Streitwert lohnt sich der Arbeits-Rechtsschutz. Denn um so höher der Streitwert, desto höher sind Gerichts- und Anwaltskosten. Der Streitwert wird vorher vom Gericht festgelegt. Bei Kündigungsprozessen beträgt dieser drei Monatsgehälter. Bei einem Bruttomonatsgehalt von 3000 Euro wären dann Anwaltskosten von über 1500 Euro möglich. Hinzu kämen Gerichtskosten von rund 180 Euro.

Der Streit zur rechten Zeit

Arbeits-Rechtsschutzversicherungen werden oft mit einer Privat-Rechtsschutzversicherung im Paket angeboten. Dieses Paket kann je nach Bedarf noch um Verkehrs- und Mietrechtschutz erweitert werden. Beachten Sie: Beim Arbeits-Rechtsschutz gilt der Versicherungsschutz erst nach einer Wartezeit von drei Monaten. Zeichnet sich ein Streitfall ab, können Sie nicht mal eben schnell durch einen Versicherungsabschluss die Anwaltskosten sparen. Bei Rechtschutzversicherungen kann es durchaus sinnvoll sein, eine hohe Selbstbeteiligung zu wählen. Dadurch zahlen Sie niedrigere Beiträge und sind trotzdem bei großen Streitsummen, die mit hohen Anwalts- und Gerichtskosten verbunden sind, ausreichend geschützt. Außerdem bewahren Sie sich selbst davor, wegen jeder Kleinigkeit zum Anwalt zu laufen. Die Versicherungsinstitute mögen nämlich keine Prozesshanseln. Bereits nach zwei Streitfällen innerhalb von 12 Monaten dürfen sie die Versicherung kündigen.

Tipps:

  • Bei Arbeitsgerichten muss selbst der Gewinner seine Anwaltskosten übernehmen. Daher ist ein Rechtsschutz im Beruf besonders wichtig.
  • Wählen Sie eine Selbstbeteiligung. So senken Sie Ihre Beiträge und sind trotzdem bei hohen Streitsummen optimal geschützt. Denn: Je höher der Streitwert, desto höher das Anwaltshonorar.
  • Ziehen Sie nicht wegen jeder Kleinigkeit vor Gericht – das sehen die Versicherungsinstitute nicht gerne.

Stand: Dezember 2009, alle Angaben ohne Gewähr