PRIVATE KRANKENVERSICHERUNG

S-Bahn oder S-Klasse?

Und es gibt sie doch, die Zwei-Klassen-Medizin. Gesetzliche und Private Krankenversicherung stehen sich diametral gegenüber. Masse auf der eine Seite, das Individuum auf der anderen. Die wichtigsten Infos zur Individuallösung PKV.

Als Kassenpatient hat man derzeit nichts zu lachen: Immer mehr Leistungen werden gekürzt oder fallen ganz weg. Das Einzige, was nicht fällt sind die Beiträge. Wer möchte da nicht lieber zu den über acht Millionen Erste-Klasse-Patienten gehören und in eine private Krankenversicherung (PKV) wechseln? Denn wo die Gesetzliche Krankenversicherung eher S-Bahn Niveau hat, bietet die PKV die Chance auf ein S-Klasse-Gefühl. Doch: Optimale medizinische Versorgung bei niedrigen Beiträgen – geht das wirklich?

Bei den privaten Kassen ist Geiz nicht immer geil. Wer nur auf die niedrigsten Beiträge schielt, verliert schnell die Leistungen aus den Augen. Und gerade darauf kommt es bei den Privaten an. Denn anders als bei den gesetzlichen unterscheiden sich die privaten Versicherungen stark in ihren Leistungspaketen.

Auserwählte Gesellschaft

Nicht allen Patienten steht die Tür zu einer privaten Krankenversicherung offen. Nur Selbständige, Freiberufler, Beamte und Besserverdienende (mit einem Einkommen von mindestens 47.250 Euro brutto im Jahr) dürfen in die PKV wechseln.
Das Einkommen zählt bei der Prämie jedoch nicht. Die Versicherungsinstitute wählen selbst, welche Kriterien die Beitragshöhe bestimmen. Meist sind Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand und der gewünschte Versicherungsschutz entscheidend. Frauen zahlen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung mehr als Männer. Wer jung und gesund ist, zahlt weniger. So kann man in jungen Jahren mit einem Wechsel in die private Krankenversicherung einen vierstelligen Eurobetrag sparen und Top-Leistungen genießen.

Heute schon an Morgen denken

Mit zunehmendem Alter steigen die Beiträge jedoch an. Allerdings: „In der Beitragsberechnung wird bereits einkalkuliert, dass mit dem Alter auch die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zunimmt,“ sagt Ulrike Pott vom Verband der privaten Krankenversicherung und ergänzt: „Hierfür wird eine Altersrückstellung gebildet, indem in jüngeren Jahren höhere Beiträge erhoben werden als es dem Risiko entspricht.“ So schafft sich jeder Privatpatient über die Jahre ein wertvolles Vorsorge-Polster fürs Alter.

Drum wird geprüft, wer sich ewig binden möchte

Jeder, der sich privat versichern möchte, muss sich zunächst einem Gesundheits-Check unterziehen. Wer dabei nicht gut abschneidet, muss mit höheren Beiträgen rechnen. Im Extremfall kann sogar eine Ablehnung erfolgen, denn im Gegensatz zu den gesetzlichen Kassen besteht keine Pflicht, alle Antragsteller aufzunehmen. Dennoch ist Ehrlichkeit Trumpf, denn: Werden frühere Krankheiten verschwiegen, darf die Krankenversicherung kündigen oder Leistungen verweigern.

Top-Leistungen sichern

Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand – manche Dinge kann man kaum ändern. Beim Leistungsumfang allerdings können Sie selbst entscheiden. Die Versicherungsinstitute bieten mehrere Tarife an, vom Standard- bis zum Luxustarif. Außer beim Standardtarif, der im Wesentlichen den Leistungen der gesetzlichen Kassen entspricht und von den Privaten angeboten werden muss, enthalten alle Tarife einen Basisschutz auf hohem Niveau: Freie Arztwahl, Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus, Chefarztbehandlung und volle Erstattung der Medikamentenkosten.

Die Kosten für Massagen, Behandlungen durch Heilpraktiker, Sehhilfen und Hörgeräte können ebenfalls zu 100 Prozent übernommen werden. Besonders aber beim Zahnersatz ist der Privatpatient König: 70 bis 100 Prozent der Kosten werden je nach Tarif erstattet – auch wenn hochwertige Materialien wie Gold oder Keramik verwendet werden. Dabei gilt naturgemäß: Je besser die Leistungen, desto höher die Monatsbeiträge. Ideal ist, wenn man seinen Tarif je nach Bedarf anpassen kann. So kann für junge Leute zunächst ein günstiger, abgespeckter Tarif sinnvoll sein, der ab einem bestimmten Lebensjahr aufgebessert wird, ohne gleich unbezahlbar zu werden.

Eigenverantwortung spart Geld

Wenn der Tarif gewählt und der Gesundheits-Check überstanden ist, gibt es noch eine Möglichkeit, Beiträge zu sparen: durch einen Selbstbehalt. Wer beispielsweise bereit ist, pro Jahr 400 Euro seiner Krankheitskosten selbst zu tragen, kann den Beitrag im Schnitt um fünf Prozent drücken. Wichtig ist, dass die dadurch erzielte Ersparnis höher als die Selbstbeteiligung ist. Das ist zumeist bei Selbständigen der Fall. Angestellte verlieren bei einem Selbstbehalt allerdings die entsprechenden Zuzahlungen ihres Arbeitgebers, der wie bei Kassenpatienten die Hälfte der Beiträge (bis zu einer Grenze von 240 Euro im Monat) übernimmt. Aber auch für Privatpatienten gilt: Am besten gar nicht erst krank werden. Denn bei Leistungsfreiheit erhalten Privatversicherte eine Beitragsrückerstattung von bis zu sechs Monatsbeiträgen. Kassenpatienten ist dies nicht vergönnt.

Tipps:

  • Bei der Gesundheitsprüfung sollten Sie auf gar keinen Fall falsche Angaben machen, da Sie so Ihren Versicherungsschutz gefährden.
  • Wer in jungen Jahren einen günstigen Tarif wählt sollte darauf achten, dass er später zu günstigen Konditionen in einen Tarif mit besseren Leistungen wechseln kann.
  • Insbesondere für Selbständige und Freiberufler lohnt ein Selbstbehalt. So können Beiträge gespart werden.

Stand: Dezember 2009, alle Angaben ohne Gewähr